Von innen nach außen - Struss & Claussen

Von innen nach außen - Struss & Claussen

Transkript

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00:00:01: Herzlich willkommen zu dieser neuen im Kernfolge.

00:00:04: Es geht um Emotionen, mein Name ist Rangel Struss und ich freue mich dass du heute zuhörst!

00:00:09: Wir haben in der ausführlichen Folge schon über den Zusammenhang von Emotionen und Karriere gesprochen.

00:00:15: und jetzt möchte ich nochmal auf den Führungsaspekt eingehen den ich für unfassbar wichtig halte, weil ich glaube dass es für Führungskräfte in Zukunft immer wichtiger sein wird Menschen Orientierung geben zu können.

00:00:27: Weil Menschen in Unsicherheit nach Bedeutung suchen also auch nach emotionaler Orientierung.

00:00:32: Ich glaube und das ist eine steile These aber Das vor allen Dingen die Führungskräfte erfolgreich sein werden Die in der Lage sind In der Mensch-zu-Mensch Interaktion anderen dabei zu helfen bessere Entscheidungen zu treffen.

00:00:46: Und zwar nicht nur für sich selbst und die eigene Karriereentwicklung oder für das Team, sondern eben auch fürs Unternehmen an sich.

00:00:54: Wenn man sich jetzt mal überlegt dass alles was mit Wissen, Analyse und Informationsverarbeitung uns so zu tun hat also alles was die Hard Facts einer Entscheidung betrifft eigentlich durch die Maschine besser übernommen werden kann als durch uns oder zumindest schneller Dann müsste man sich ja mal fragen, was beeinflusst eine menschliche Entscheidung eigentlich noch?

00:01:12: Wenn alle Daten quasi auf dem Tisch liegen.

00:01:15: Weil wenn es nur die Daten wären, dann würden ja niemals zwei Führungskräfte unterschiedlich entscheiden.

00:01:21: Obwohl sie dieselben Informationen haben oder jeder kennt das sehen wir in Workshops ganz häufig dass es eben Teammitglieder gibt die eine Veränderung unterstützen und andere die vielleicht dagegen sind oder Widerstand aufbringen obwohl eigentlich die gleiche Strategie präsentiert wurde.

00:01:38: Und aus dem Privatleben kennen wir's ja auch der oder die eine Oder andere schätzt eine Krise als Chance ein und wiederum jemand anderes als Bedrohung.

00:01:49: Und deshalb ist ja schon deutlich, dass die Antwort eben nie nur in den Informationen oder Daten liegen kann.

00:01:55: Daten sind ja eigentlich die Rohdaten und Informationen sind dann quasi die relevanten Daten also die, die man für sich selbst in einer bestimmten Art und Weise bewertet hat Sondern dass die Bedeutung, die wir dieser Realität geben letztendlich ausschlaggebend ist dafür was wir dann machen.

00:02:13: Und dafür gibt es auch hinreichend Forschungen, die eben zeigt das dieser Einfluss der Emotionen tatsächlich riesig ist und das eigentlich auch bei sehr rationalen Begründungen ist eigentlich hauptsächlich eine Post-Rationalisierung von Emotionen ist, die wie vorher eben schon hatten.

00:02:29: Ja, wenn jetzt Menschen also nicht auf die Realität an sich reagieren sollen.

00:02:33: Auf ihre eigene Erfahrung, also auf die Interpretation der Realität dann lohnt sich doch da mal genauer hin zu gucken wie genau man diesen Mechanismus eigentlich bei sich und bei anderen kennt der dazu führt, dass man zu bestimmten Entscheidungen kommt.

00:02:49: Also wenn jetzt zum Beispiel sagen wir mal ein Team total ängstlich ist dann ist es ja klar das die vorsichtiger arbeiten und das vielleicht auch Risiken gemieden werden oder wenn's jetzt um Innovation geht vielleicht Ideen zurückgehalten werden.

00:03:03: Wir kennen das Fehlervermeidung natürlich dann höher im Kurs steht als mal was zu wagen was das Unternehmen vielleicht nach vorne bringen würde.

00:03:12: also kreativität ist eingeschränkt.

00:03:15: Ja, das eben ist eigentlich jetzt keine Frage von Kompetenz sondern häufig eine emotionale Reaktion auf Unsicherheit.

00:03:23: Man kann es auch in der Führungskraft selbst erleben.

00:03:25: also sagen wir mal... Ein Vorstand hat große Unsicherheit, jetzt auch charakterlich vielleicht oder weil auch in anderen Lebensphasen gerade so viel los ist das innerlich kein gutes Vertrauen entstehen kann.

00:03:35: Dann fragt er vielleicht nach wahnsinnig vielen zusätzlichen Analysen weiteren Meetings oder hört halt gar nicht auf noch mehr Daten zu suchen, weil er sich eigentlich versucht im Außen abzusichern.

00:03:47: letztendlich ist es aber so dass die Unsicherkeit eben schwer auszuhalten ist und dass es eigentlich darum ginge die unsicherheit richtig zu interpretieren um zu erkennen um das Entwickeln von Vertrauen geht.

00:03:59: was wir noch häufig erleben ist, wenn so Gefühle wie Scham oder Kränkung oder so eine Rolle spielen.

00:04:05: Dann ist natürlich ne sachliche Diskussion in null Komma nix und einen Machtkampf Und ne Kritik is auch nicht ne Chance zu lernen sondern Ist dann wie so ne eigene Identitätsbedrohung.

00:04:17: und Wenn das gefühlt wird dann sind wir überhaupt nicht mehr auf der Sachebene Sondern dann ist die Folge ja ne endlose Rechtfertigung Oder so ne defensive Kommunikationen gegen Angriff, eine Abwehr beleidigt sein oder so.

00:04:31: Also man merkt schon diese Unaufgeräumtheit oder auch die Inkompetenz, die eigenen Emotionen richtig lesen zu können haben ganz schwerwiegende Implikation fürs Business.

00:04:45: und das Problem ist – das merk ich immer wieder in den Gesprächen, die ich führe – dass emotionale Kompetenz irgendwie noch so gleichgesetzt wird mit, ja dann ist man eben empathisch oder irgendwie selbst kontrolliert oder so.

00:04:59: Aber worum es mir geht ist zu sagen das gut zu führen in Zukunft bedeuten wird dass mein Emotionen gut versteht und das würde ich aufteilen auf der einen Seite die eigenen Emotionen und auf der anderen Seite die meines Gegenübers.

00:05:14: Wenn ich eigene Emotionen verstehen kann, dann geht es eben um das Thema Selbstführungskompetenz oder emotionale Regulation.

00:05:21: Damit fangen wir mal an!

00:05:22: Das ist quasi ja auch die Grundlage, um daraus Menschenkenntnis zu entwickeln und auch andere Menschen in ihren emotionalen Bewertungen zu begleiten.

00:05:32: Peter Drucker hat das auch immer so schön gesagt jetzt kein Original-Zitat sondern nur so wie ich's erinnere dass man gar nicht führen kann wenn man nicht gelernt hat sich selbstzuführen.

00:05:41: Auch bei Daniel Gohman ist die Selbstwahrnehmung quasi, ich glaube denn das Basiskompetenz von emotionaler Intelligenz.

00:05:48: Also nur wenn man sich selbst gut wahrnehmen kann also seine eigenen Emotionen auch spüren und benennen kann dann kann man auch sowas wie Selbstregulation, Empathie oder soziale Kompetenzen überhaupt aufbauen darauf erst entwickeln.

00:06:02: Und wir haben es in der längeren Folge auch schon angesprochen weil ich diese Forschung super spannend finde von Lisa Fertmann Barrett zu emotionaler Granularität, weil es da nämlich genau darum geht das erfolgreiche Selbstregulation also nicht gleich irgendwie auszurasten oder beleidigt zu sein oder zu schweigen wenn einem irgendeine Laus über die Leber läuft oder man eine andere unangenehme Emotion hat.

00:06:26: Dass diese Selbstregulation eben vor allen Dingen davon abhängt wie gut wir in uns selbst auch einzelne Emotionen überhaupt voneinander unterscheiden können.

00:06:35: und ich merke dass im Executive Coaching immer wieder dass die Leute, die eben zu dieser emotionalen Granularität fähig sind, die treffen viel bessere Entscheidungen.

00:06:44: Also sie sagen dann nicht mehr ich bin genervt sondern können schon ein bisschen deutlicher formulieren woran es eigentlich liegt?

00:06:50: Ich bin vielleicht enttäuscht weil irgendeine Erwartung nicht erfüllt wurde und dann kann man anfangen damit zu arbeiten.

00:06:56: Wurde denn die Erwartungen ausgesprochen oder eben nicht oder ist das ein Umfeld in dem diese Erwartung überhaupt Raum findet?

00:07:03: also solche Unterscheidungen ganz häufig auch das Gefühl der Wut und ich bin wütend alleine.

00:07:09: Ja, das bleibt dann so im Raum stehen.

00:07:11: aber wenn ich sage Ich fühle mich übergangen weil keine Ahnung ich mich in meiner Rolle nicht respektiert habe oder mein Einflussbereich nicht adäquat geschützt wurde oder so Dann weiß man schon viel genauer was man tun muss.

00:07:24: Und deshalb jetzt noch mal bevor wir über die Emotionen anderer sprechen diese Frage Wie gut kennst du eigentlich deine eigenen?

00:07:32: Emotionen, was genau geht in dir vor.

00:07:35: Weil sagen wir mal du hast Angst und interpretierst das innerlich so als ob du noch nicht ready wärst für den nächsten Schritt oder dass noch nicht entscheiden könntest was gerade anliegt.

00:07:44: dann widmest du dich dem Thema natürlich ganz anders als wenn du jetzt diese selber angst, als ein Zeichen von Wachstum verstehen würdest und dir dann entsprechend Hilfe oder Unterstützung suchst oder noch mehr lernst.

00:07:57: Und was das Problem ist an den Emotionen auch das erlebe ich im Executive Coaching immer wieder ist dass die Emotionen die nicht verstanden werden weil Energie ja nicht verloren geht, also nur weil ich eine Emotion irgendwie negiere ist sie ja nicht da und vor allen Dingen drückt sie sich in der Beziehung sowieso dann auch unbewusst irgendwie immer aus.

00:08:17: Also wenn ich diese Emotionen nicht gut verstehe, dann neige ich dazu sie auf andere zu projizieren.

00:08:22: Und das ist zum Beispiel wenn jetzt zum Beispiel Einführungskraft super Angst vor Kontrollverlust hat und das aber eigentlich nicht richtig versteht, dann schimpft sie vielleicht die ganze Zeit auf die Mitarbeitenden, dass sie irgendwie so unzuverlässig wären.

00:08:37: Und fängt an zu micromanagen.

00:08:40: und im Grunde man stimmt es aber gar nicht sondern Eigenschaften eigene Bedürfnisse oder Gefühle die irgendwie nicht wahrgenommen oder akzeptiert werden können und uns selbst.

00:08:49: Die schreiben wir dann eben unbewusst anderen Menschen zu, also ich hatte neulich eine Führungskraft im Coaching, die mit ganz schönen Selbstzweifeln kämpft aber das gar nicht richtig gemerkt hat weil sie so ein Overachiever ist, ein enksches Overachieve sozusagen dass sie ja gar nicht gemerkt haben wie doll sie eigentlich aus einem inneren Mangelgefühl heraus diese Leistungen erbringt.

00:09:11: und das Problem bei ihr war dann immer Rückfragen, als zum Beispiel Zeichen von mangelnder Loyalität gewertet hat oder von zu wenig Engagement oder Mitdenken und ja sich irgendwie angegriffen gefühlt hat.

00:09:28: Und dem Moment wo sie verstanden hat das eigentlich ihre Selbstzweifel geträgert werden konnte sie damit natürlich ganz anders umgehen und deshalb lohnt es sich vielleicht für dich auch mal so ein kleines emotionales Inventar vorzunehmen.

00:09:40: wir haben nämlich auch immer so go-to Gefühle also zu denen wir immer wieder zurückkehren und da ist vielleicht für dich spannend, mal zu gucken welches Gefühl benennst du regelmäßig.

00:09:49: Welche Gefühle hast Du?

00:09:50: Wie differenziert kannst du die auseinandernehmen.

00:09:53: also sagst du vor allen Dingen dass du gestresst bist oder dich ärgerst oder das es dir gut geht oder kennst du auch so Schattierungen wie Charmeverletzung über Forderung, Neid, Ambivalence, Unsicherheit, Kroll oder so Du mehr Worte dafür entwickelst, kannst du sie natürlich dann auch besser wahrnehmen und dann wirst du vielleicht auch merken welche Gefühle du versuchst zu vermeiden.

00:10:19: Und welche Gefülle vielleicht auch unter Druck besonders häufig auftauchen weil nämlich diese Gefühlen die wir im Autopiloten ausleben natürlich auch unsere Entscheidungsfähigkeit dann hemmen.

00:10:30: Jetzt nochmal auf andere zu kommen.

00:10:32: also wenn wir jetzt sagen gute Führung hilft Menschen dabei?

00:10:36: Die eigenen emotionalen Reaktionen auf die Realität besser zu verstehen und dadurch auch bessere Entscheidungen treffen zu können, nachdem wir nun mit einer guten Selbstregulation ausgestattet sind.

00:10:47: Und dann geht es ja auch darum vielleicht eine Übersetzungsleistung herstellen zu können also diffuse Zustände dann auch in so wirklich entscheidungsfähige oder führungsfähigen Informationen zu übersetzen.

00:11:01: Dann könnte man zum Beispiel eben besprechen das angsten Hinweis darauf ist dass vielleicht einfach irgendein Schritt bedeutsam also dass es irgendwie darum geht sich noch mehr vorzubereiten, sich abzusichern oder vielleicht mehr Vertrauen in die eigenen Kompetenzen zu entwickeln.

00:11:15: Oder so um eben die Mitarbeitenden davor zu bewahren, sich zurückzuziehen und stattdessen am eigenen Ressourcenaufbau zu arbeiten zum Beispiel Und wenn man merkt, dass Mitarbeiter gewütend sind und sich davon angegriffen fühlt und dann sozusagen den Gegenangriff geht.

00:11:31: Dann vielleicht erst mal zu gucken okay wo könnte da eine Grenzverletzung empfunden werden oder wo wird ein Bedürfnis nicht erfüllt?

00:11:38: Vielleicht nach Respekt oder nach bestimmten Werten die diesen Menschen wichtig sind und darüber denn in einen Gespräch zu gehen wird sehr viel schneller dazu führen das man wieder zu einer guten Entscheidungsfähigkeit kommt anstatt so neben Kriegs Schauplatz aufzumachen.

00:11:54: Was ich neulich auch hatte, das fand ich ganz spannend.

00:11:56: Da war das Thema im Team irgendwie Night und bei Night denken wir ja schnell an Missgunst und dann haben die sich da irgendwie so bekriegt anstatt mal zu gucken auf welche unerfüllten eigenen Wünsche denn dieses Night-Gefühl hinweist.

00:12:11: also... Vielleicht und so war es dann in dem Team eben auch gehts darum, dass bestimmte Einflussgebiete oder Freiheitsgrade oder eine bestimmte Sichtbarkeit oder einer Anerkennung durch die vorgesetzten Ungleich verteilt waren gefühlt.

00:12:26: Oder das eben bestimmte Teammitglieder da selbst noch mehr auf die Bühne getreten wären.

00:12:32: Und ja, dann konnte man sozusagen von der moralischen Abwertung, die in der Missgunst liegt eher dahin gehen mal so ne Selbstklärung vorzunehmen was natürlich für Qualität dann auch einen großen Vorteil hatte.

00:12:45: Also was ich zusammenhängt, glaube ich sagen möchte ist dass die eigentliche Führungsaufgabe in Zukunft vor allem lauten wird die Emotionen sowohl in sich als auch an anderen gut zu erkennen um bessere Entscheidungen treffen zu können und mehr Orientierung geben zu können.

00:13:01: Und deshalb ist die Frage kann ich meine Emotion eigentlich ausreichend lesen?

00:13:06: also für mich Weil ich schon glaube, und jetzt kommt zum Schluss nochmal eine steile These das emotionale Analphabeten in der Welt, in der wir gerade leben mit auf der einen Seite technische Revolutionen und Fortschritten.

00:13:24: Und auf der anderen Seite der unfassbar wachsenden Komplexität Schwierigkeiten haben werden diese Orientierung zu geben und deshalb dann auch vielleicht gar nicht mehr so ne große Führungsberechtigung haben.

00:13:35: Denn ich glaube dass eine echte Emotional Literacy zu einer Führungs- und Entscheidungskompetenz wird.

Über diesen Podcast

Alle paar Wochen nehmen sich Ragnhild Struss und Johann Claussen Zeit zum Deep Dive vor den Podcast-Mikros: Gemeinsam mit Interviewerin Jalée Grau diskutieren sie die großen Fragen der Persönlichkeitsentwicklung, Job- und Lebensplanung:

Was hat Geduld mit Erfolg zu tun? Wie entsteht ein gesunder Selbstwert? Was bedeutet es, wenn ich nie zufrieden bin? Wie finde ich einen Job, der wirklich zu mir passt?

In einer Mischung aus theoretischem Wissen und praktischer Erfahrung gehen die Podcast-Hosts menschlichen Verhaltensmustern auf den Grund, hinterfragen innere Überzeugungen und beleuchten die Macht des Unbewussten. Denn – so ihre Überzeugung und das Motto ihres Unternehmens Struss & Claussen Personal Development: Alles beginnt im Innen.

Viel Spaß und Inspiration beim Hören!

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von und mit Ragnhild Struss und Johann Claussen

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