00:00:01: Hallo und herzlich willkommen zu dieser neuen im Kernfolge.
00:00:05: Mein Name ist Frank-Hil Struss, ich möchte an unsere letzte ausführliche Folge zum Thema Ambitionen anknüpfen weil das ein Thema ist was gerade im Executive Coaching eine unfassbar große Rolle spielt nämlich die Frage wie ist die eigene Ambition eigentlich aufgestellt?
00:00:23: Ist sie gesund oder geht es schon ins ungesunde?
00:00:26: und wie kann ich denn daran arbeiten?
00:00:29: Klingt fast ironisch, das auch Arbeiten zu nennen.
00:00:32: Also wie kann ich es vielleicht entwickeln in meiner eigenen ehrgeizigen engagierten ambitionierten Haltung als Führungskraft ein bisschen mehr Souveränität noch zu erlangen?
00:00:44: Weil und das möchte ich heute ein bisschen näher beleuchten Ambitionen beginnt meines Erachtens viel früher als die Karriere selbst also Ganz viel, wenn es um Leistungsbiographien und generell Biografien geht.
00:00:59: Dann gehen wir ja in die Kindheit zurück und erkennen da das Ambition eben gar nicht erst durch den Beruf entsteht oder entfacht wird sondern dass sie schon ganz viel früher ihren Ursprung hat nämlich in emotionalen Anpassungsprozessen in den ganz frühen Bindungs- und Beziehungserfahrungen, die wir so haben.
00:01:17: Und in den inneren Überlebensstrategien, in den Sicherheitsstrategieren, die Wir entwickeln damit wir als Kind das Gefühl haben In unserer Identität berechtigt zu sein keine Angst haben zu müssen also sicher gebunden zu sein Liebe und Anerkennung zu bekommen Also auch in unseren psychologischen Grundbedürfnissen eben befriedig zu werden.
00:01:38: Und dann hat Ambition, also das Leistungsstreben so eine ganz bestimmte psychologische Funktion.
00:01:46: Mit dieser kleinen im Kernfolge möchte ich dich einladen mitzudenken und vielleicht mal innerlich zu spüren bei welchen von diesen Funktionen springt bei dir vielleicht was an?
00:01:57: Also wo denkst du?
00:01:57: oh ja das kenne ich vielleicht irgendwo her.
00:02:01: Also zum Beispiel, ganz häufiges Thema in Coachings ist das Thema Sicherheit.
00:02:06: Wenn Führungskräfte jedes Detail bis ins Meeting vorbereiten sich irgendwie absichern an jeder Ecke dann ist es nicht unbedingt was wahnsinnig nötig wäre sondern weil diese Vorbereitung das innere Gefühl reduziert dass sie überrascht werden könnten oder entwertet werden können oder kritisiert werden könnten.
00:02:24: Das ist das eine.
00:02:25: Dann erlebe ich auch ganz häufig, dass es darum geht zu Gehörigkeit zu sichern also Bindung quasi über Anerkennung auch herzustellen.
00:02:34: sagen wir mal eine Führungskraft übernimmt super viele zusätzliche Aufgaben von anderen obwohl sie vielleicht selbst auch schon überlastet ist.
00:02:43: das erleben wie hier häufig wenn's auch um so Burnout Fragen geht Dann liegt das meistens nicht daran, dass sie irgendwie denkt es würde zur Rolle gehören sondern das ganz tief in ihr drin so ein Glaubenssatz herrscht.
00:02:55: Wenn ich unverzichtbar bin dann bleibe ich wichtig, dann bleib' ich Teil dieses Führungskreises.
00:03:00: zum Beispiel Manche wollen auch Unmacht kompensieren.
00:03:03: Das geht dann häufig eher in so einem Kontrollthema mit der Ambition Also wenn jedes operative Detail selbst nochmal gegen gecheckt wird, dann hat das weniger was Fehlerkontrolle zu tun, sondern dann ist ganz häufig sowas was Abhängigkeit reduzieren soll oder ja was eben verhindern möchte dass man in irgendeiner Form das Gefühl von ausgeliefert sein hat.
00:03:27: Es gibt auch so eine Schamregulation.
00:03:29: Vielleicht ist das etwas, was du kennst, dass du besonders ambitioniert bist?
00:03:33: Weil ein Fehler für dich nicht einfach nur irgendwie ne Rückmeldung ist sondern weil du das Gefühl hast Boah dann werd ich irgendwie bloß gestellt oder dann kannst vielleicht abends nicht gut schlafen weil du die Fehler des Tages immer noch mal Revue passieren lässt.
00:03:46: manche Menschen sind auch mit ihrer erhöhten Ambition darauf ausgerichtet Aufmerksamkeit zu erzeugen.
00:03:52: Das gibt es auch, dass Überarbeitung sozusagen eine Sprache geworden ist die irgendwie schick ist also das so eine überzogene Betriebsamkeit ein Weg ist um von anderen überhaupt wahrgenommen und für wichtig gehalten zu werden.
00:04:06: was gibt's noch zum Beispiel so emotionale Kontrolle zu haben.
00:04:10: Also ich glaube, dass dieses sehr sachliche Kühle was früher Empführungsverständnis von Professionalität sozusagen gezeigt hat das wird heute weniger wertgeschätzt ist aber dann darauf zurückzuführen, dass jemand vielleicht emotionale Offenheit in seinen frühen Bindungserfahrungen als etwas erlebt hat was die Kontrolle hat verlieren lassen oder was zu verletzlich gemacht hat vielleicht irgendwann.
00:04:40: Was gibt es noch?
00:04:41: Also zum Beispiel Unabhängigkeit herstellen, also ich habe das ganz häufig in den Beratungen und analytischen Executive Coachings, dass es eigentlich darum geht, dass jemand obsessiv sozusagen am Unternehmenswachstum arbeitet weil damit innerlich irgendwie verbunden ist, führen würde, was endlich das ausgeliefert sein reduziert sozusagen.
00:05:07: Also das ist nochmal ein bisschen anders als ohne Macht zu kompensieren.
00:05:11: da geht es eben eher um eine Hinzubewegung also endlich frei zu sein sozusagen naja und alles ist ja irgendwie so ein bisschen darauf ausgerichtet den eigenen Wert zu beweisen.
00:05:21: und das finde ich is ne spannende Perspektivverschiebung dass man wenn es um Ambitionen geht nämlich nicht mehr primär nur für den Erfolg arbeitet, sondern dass dahinter ein altes Gefühl steht gegen das angearbeitet werden soll.
00:05:40: Und dann ist eben Leistung oder übermäßige Ambition quasi wie so eine Regulationsstrategie also nicht mehr wirklich einen Ausdruck von Wachstum oder einen Ausdrück von reiner Gestaltungsfreude, sondern so ein Regulationszentrum um zum Beispiel innere Anspannung zu beruhigen oder um den Selbstwert zu stabilisieren, um Bindung zu sichern, emotionale Defizite vielleicht auszugleichen, Kontrollverlust zu vermeiden.
00:06:11: Ganz häufig sagen mir auch Führungskräfte das wenn sie nicht arbeiten, Sie gar nicht wissen wer sie sind.
00:06:16: also dass auch vielleicht so eine innere Lehre nicht gespürt werden muss.
00:06:20: durch diese äußere Leistungsbewegung wird dann quasi so ein innerer Mangelzustand kompensiert.
00:06:27: Ich möchte da auch nochmal unsere längere Folge ans Herz legen, die hat mir nämlich echt Spaß gemacht, weil da ging es genau um die Unterscheidung zwischen wann ist das eigentlich aus einer guten Hinzu-Bewegung und gesund so ambitioniert zu sein?
00:06:40: Und wann ist es eigentlich eher kompensationisch?
00:06:43: Und ich hatte im Nachgang mit Jaleh und Johann so eine schöne Diskussion darüber, was eigentlich so mögliche psychologische Ursprünge dann für diese kompensatorische Ambitionen sind.
00:06:55: Und darauf wollte ich jetzt nochmal eingehen.
00:06:57: vielleicht erkennst du dich ja auch da in der einen oder anderen Ausführung wieder?
00:07:03: Das würde mich irgendwie freuen wenn ich dich damit ein bisschen inspirieren kann, vielleicht darüber nachzudenken wann Leistung oder Ambition bei dir nicht mehr so gesund ist und was du dagegen tun kannst, beziehungsweise welches ursprüngliche Bedürfnis eigentlich bedient werden müsste.
00:07:19: Wenn man es jetzt mal so ganz platformuliert könnte man sagen das Leistung überambitioniert zu sein, vielleicht auch ein übertriebener Weg ist um Liebe und Aufmerksamkeit zu generieren.
00:07:28: Also Kinder lernen ja früh.
00:07:30: wofür bekomme ich eigentlich Lob, Anerkennung, Resonanz?
00:07:33: also was in mir erzeugt quasi eine positive Wirkung in der Beziehung oder im anderen?
00:07:38: Und wenn emotionale Zuwendungen dann ganz stark an Leistung angelehnt sind also wenn man sich zum Beispiel gut anpassen kann Wenn man eine Funktionalität in der Familie wahrnimmt wenn man besonders brav ist oder besonders tolle Schulnoten bekommt Also dann kommt vielleicht irgendwann innerlich so ein Ich werde geliebt, wenn ich was leiste.
00:07:56: Und das ist dann das, was sich später in dieser grunischen Produktivität zeigt oder auch in der Schwierigkeit mit Pausen in einem stark leistungsbasierten Selbstwert also wenn eigentlich die Arbeit hauptsächlich die Selbstwertquelle darstellt Wenn man sich so bisschen über identifiziert mit seiner Karriere und dadurch quasi was man leistet ständig auf der Suche nach Anerkennung Und ich hatte das ja schon so ein bisschen angedeutet, wenn es jetzt nicht darum geht nur Leistung als Weg für die Liebe und die Aufmerksamkeit zu erbringen.
00:08:28: Sondern wenn's vielleicht eher darum geht dass man aus einer bestimmten Ohnmacht fliehen möchte dann ist eben diese Ambition vielleicht auch damit in Verbindung zu bringen, dass es eine psychische Überlebensstrategie war also quasi innerlich das Kind gesagt hat, irgendwann werde ich so erfolgreich oder so unabhängig und dann bin ich so stark wenn ich beruflich gut aufgestellt bin dass sich nie wieder so ausgeliefert bin wie als Kind.
00:08:52: Das ist ein Muster was ich sehr häufig erlebe bei High-Performern also wirklich diese frühe extreme Selbstständigkeiten hohes Kontrollbedürfnis wir nennen es dann Hyperautonomie also wenn diese autonome Bewegung sehr sehr früh einsetzt Die haben dann manchmal Schwierigkeiten, Hilfe anzunehmen oder haben hohen Statusfokus zum Beispiel.
00:09:12: Oder eben auch eine hohe Zukunftsorientierung weil wenn das Kind in einer für sich selbst nicht so gut anfühlenden Situationen ausgeliefert fühlt Dann ist häufig die Zukunft natürlich auch quasi ein psychischer Fluchtort und das bedeutet dann manchmal in der Gegenwart dass die Leute nicht gut mal im Moment sein können sondern immer so getrieben sind.
00:09:35: Ganz eng damit verbunden ist auch sowas wie Parentifizierung, also man ganz früh in die Überverantwortung gezogen wurde weil man Aufgaben emotional oder praktischer Natur übernommen hat.
00:09:45: Die eigentlich Erwachsenen gehört oder die Erwachsene eigentlich tragen müssten.
00:09:50: dann lernen sie natürlich ganz schnell unter Stress zu funktionieren und ihre eigenen Bedürfnisse zurückzustellen die Lernensysteme emotional zu stabilisieren, auch da wo es eben gar nicht ihre eigene Verantwortung ist.
00:10:01: Und das führt dazu dass sie dann trotz Überforderung eigentlich leisten und unabhängig von ihrem eigenen inneren seelischen Zustand zu viel Verantwortung übernehmen.
00:10:11: Das führt zu einer Daueranspannung, die dann nerval also im Nervensystem auch gar nicht mehr so gut reguliert werden kann.
00:10:18: und das sind dann die High Performer, die paradoxerweise dann Ruhe quasi als unangenehmen erleben oder so ein vertrautes Gefühl in der Überforderung haben, weil Stress für sie der normalen Zustand ist und außerdem Erschöpfung überhaupt erst jenseits der Belastungsgrenze spürbar ist.
00:10:37: Es gibt noch viele weitere Schutzstrategien zum Beispiel durch Leistungen also wenn man versucht Charme zu regulieren das quasi eine hohe Ambition gegen so ganz frühe Minderwertigkeitsgefühle Anwirkt also wenn man zum Beispiel in der Schule mal bloß gestellt wurde oder gemobbt wurde, oder Angst vor Beschämung oder Abwertungen hat dann zieht sich das häufig bis ins Erwachsenen Leben und da lautet die innere Logik dann so hey wenn ich irgendwie außergewöhnlich leiste.
00:11:03: Dann bin ich auch unangreifbar Und das zeigt sich darin dass der Ehrgeiz auch begleitet wird von Angst vor Fehlern oder vor einer hohen Vergleichsorientierung Vielleicht auch eine über Reaktion auf Kritik.
00:11:18: Genau und neulich hatte ich auch eine Führungskraft im Coaching, die haben wir rausgefunden in einem so emotional unvorhersehbaren Umfeld groß geworden ist.
00:11:28: Das Leistung für sie eigentlich Strategie war, um Dinge zu kontrollieren und um das Chaos sozusagen in den Griff zu bekommen.
00:11:35: Also immer dann wenn ich perfekt bin passiert mir auch nichts Schlimmes sozusagen.
00:11:39: Die hat natürlich heute das Problem maßgeblich im Micro-Management gefangen zu sein viel zu viel Energienvorbereitung zu stecken die Kontrollbedürfnisse gar nicht alle befriedigen zu können in dem komplexen Umfeld indem sie arbeitet.
00:11:52: Sie übernimmt viel zu viele Verantwortung und ist perfektionistisch.
00:11:54: also genau Von daher merkst du schon, es gibt ganz viele Ursprünge.
00:11:59: Vielleicht war das ein oder andere jetzt etwas wo du dachtest hmh das kenne ich irgendwie schon und deshalb finde ich diese Frage spannend wenn du nicht nur für die realen Ziele ambitioniert bist die deinen Job mit sich bringt sondern wenn du innerlich quasi vor einem Publikum arbeitest Dann ist ja die Frage, wer sitzt in diesem Publikum?
00:12:19: Sind das die Eltern?
00:12:21: Sind es vielleicht ehemalige Lehrerinnen oder irgendwelche Leute, die eine wichtige Kritik mal erbracht haben.
00:12:27: Vielleicht auch Geschwister- oder frühere Partnerkonkurrenzfiguren.
00:12:31: Manchmal ist es auch so ein ganzes soziales Milieu was noch irgendwie in dir spricht oder sogar Branchenbilder.
00:12:37: Ist ja auch manchmal der erdachte Feind quasi.
00:12:41: und dann sich mal zu überlegen okay... Was ist es eigentlich bei mir, wenn es ins Ungesunde kippt?
00:12:48: Also ist es dann das Anarbeiten gegen eine frühere Unmacht oder ne Geschehmung oder... ...ne Bedeutungslosigkeit.
00:12:56: Oder dass du dich irgendwie hilflos gefühlt hast, dass du das Gefühl hattest nicht genug zu sein.
00:13:00: Das finde ich irgendwie so spannend.
00:13:02: und in der letzten Folge hatte Jaleh eine Frage so gut gefunden nämlich die Frage ob ich das was sich ambitioniert angehe eigentlich Ausliebe zu mir mache oder für Die Liebe von anderen.
00:13:14: Und da, glaube ich ist eine ganz entscheidende Erkenntnis drin weil wenn es darum geht mal rauszufinden worauf dein Übertriebenes ambitioniert sein Fuß dann ist eben genau diese Frage so wichtig wer war eigentlich mein erstes Publikum und wen möchte ich vielleicht heute noch beeindrucken?
00:13:33: Ich hoffe dass ich damit und dafür ist die Folge ausgerichtet ein bisschen für Inspirationen sorgen konnte, damit du verstehst wo du vielleicht in einem möglichen Coaching oder in einer Persönlichkeitsentwicklungsmaßnahme ansetzen könntest um eben mehr innere Freiheit beim Leisten zu empfinden.