00:00:10: Hallo zu dieser neuen im Kernfolge, mein Name ist Rangel Struss und in der letzten längeren Podcast-Folge haben wir über das Thema Beziehungsmuster im Job gesprochen mit einem besonderen Fokus auf frühe familiäre Bindungserfahrung.
00:00:23: Ich finde dass das vor allen Dingen auch für Führungskräfte ein ganz wichtiges Thema ist weil die Qualität der Führungen ja ganz häufig daran bemessen wird wie gut man in der Lage ist Entscheidungen zu fällen, wie gut die Entscheidungen dann auch sind Und wie man anderen Menschen Orientierung gibt, beziehungsweise wie man zum Beispiel Nähe gestaltet.
00:00:44: Wie man Vertrauen aufbaut, wie man vielleicht auch Konflikte aushält oder navigiert.
00:00:51: Wie generell das Miteinander verlässlich gestaltet wird im Job.
00:00:57: Denn das Vertrauen was man in Führungskräfte hat ist ja vor allen Dingen auch davon abhängig, wie verlässlig sie in ihrer Stimmung sind.
00:01:06: Und deshalb ist es, glaube ich ganz wichtig sich noch einmal zu überlegen, dass keine Entscheidung sei sie noch so sachlich im psychologischen Vakuum entsteht.
00:01:17: Jede einzelne Entscheidung ist eingebettet in ein inneres System aus den Erfahrungen die wir in unserem Leben gemacht haben wie wir bewertet haben was passiert ist und welche emotionale Bedeutung wir dem entweder damals beigemessen oder heute damit verbinden haben.
00:01:35: Und deshalb ist jede Entscheidung immer, also zu sehr großen Teilen unbewusst vor allen Dingen ein Produkt aus einer kognitiven Bewertung.
00:01:43: Also das was man bewusst irgendwie denkt, was einem klar ist worauf man Zugriff hat und aber auch nach emotionalem Vorstrukturierung Und das haben wir ja alle schon gelesen in der Dual Process Theory von Karnemann.
00:01:58: Also da ging es ja vor allen Dingen darum, dass dein Gehirn schon bewertet und eingeordnet und auch emotional markiert hat was du dann quasi ein paar Millisekunden später bewusst denkst.
00:02:12: Das heißt es gibt wie so eine Art Vorfilter und das ist auch dann darauf ausgerichtet bestimmte Sachen überhaupt nur in deinen Fokus nimmst, also dass dir das eine auffällt und das andere eben nicht.
00:02:25: Das merkt man ja so daran.
00:02:26: wenn man irgendwie ein Meeting hatte weiß ich nicht, Horst Thorsten.
00:02:34: Der war heute aber wieder schlecht drauf der hat ja das und das gesagt und dann sagt Person B vielleicht höh?
00:02:38: Das habe ich ganz anders empfunden!
00:02:39: Ich dachte da ist einfach nur interessiert.
00:02:41: also das zeigt ja schon was wirklich relevant ist und wie du das interpretierst was sich für dich richtig oder falsch anfühlt.
00:02:48: Das hast Du bereits in einer vorgefilterten Realität sozusagen festgelegt.
00:02:54: es gibt hier auch dieses schöne Buch von Antonio Damasio.
00:02:59: ich fühle also bin ich Und ich glaube, es gibt auch noch ein zweites.
00:03:02: Das heißt irgendwie wie wir denken und fühlen also beide auf jeden Fall sehr empfehlenswert.
00:03:06: Und da geht's ja vor allen Dingen darum dass Emotionen ganz starkes Navigationssystem sind und das gute Entscheidung oder Entscheidungen überhaupt eigentlich gar nicht richtig möglich sind wenn wir nicht irgendwelche emotionalen Marker damit verbinden.
00:03:20: Und das bedeutet, dass jede Erfahrung die du in deinem Leben gemacht hast mit einem bestimmten Gefühl verknüpft ist und dieses Gefühl mit der Erfahrung wird innerlich verknüpft.
00:03:31: Das heißt, dass du später in ähnlichen Situationen diesen Marker quasi reaktivierst und das passiert total unbewusst.
00:03:43: Du hast früher Kritik mit einem großen Gefühl von Unsicherheit verbunden, weil das Familiär vielleicht so geprägt war.
00:03:49: Dass du um die Bindung fürchten musstest wenn du kritisiert wurdest oder dass dein Wert irgendwie in Frage gestellt wurde.
00:03:55: und dann ist es vielleicht heute so um nochmal auf das Beispiel von Horst Thorsten zurückzukommen, dass du eine kritische Rückfrage im Meeting vielleicht sofort innerlich mit einer Anspannung verbindest.
00:04:07: Das heißt... dass, obwohl die Situation ganz anders ist, dein emotionales System auf so ein bekanntes Muster zurückgreift und dann kann deinen Gehirn eben gar nicht mehr fragen hey was es hier eigentlich objektiv war.
00:04:20: Sondern die Vorsortierung ist dann was kenne ich daran?
00:04:24: Wie gefährlich war das damals?
00:04:26: und entsprechend wirst du denn heute wahrscheinlich auch nicht so neutral reagieren.
00:04:31: Also wenn jetzt wir von diesen emotionalen Markern sprechen, dann geht es eben auf der einen Seite ums Fühlen und dann auf der anderen Seite um's Denken und letztendlich in Führungssituationen dann im nächsten Schritt natürlich auch darum bestimmte Entscheidungen zu fällen, um Handlungen ausführen zu können.
00:04:48: Und da merkt man jetzt schon das eben frühere Bindungs- und Beziehungserfahrungen.
00:04:54: Viele, viele Erwartungen und Voreinstellungen prägen die für den Führungskontext glaube ich total relevant sind nämlich alles was man so über Menschen denkt.
00:05:05: wie verlässlich sind sie?
00:05:07: Alles was man über sich selbst denkt.
00:05:08: also muss ich mich irgendwie anpassen um akzeptiert zu werden.
00:05:12: kann ich mich frei ausdrücken?
00:05:13: darf ich eigentlich widersprechen?
00:05:17: Ja, lauter solche Voreinstellungen.
00:05:20: Wir merken das immer deutlich wenn Führungskräfte zum Beispiel mit unbekannten Gruppen konfrontiert sind.
00:05:25: dann springen auf jeden Fall alte Muster an von ja wie habe ich überhaupt erlebt in einer Gruppe sicher zu sein gehöre ich dazu?
00:05:33: oder eher nicht?
00:05:34: muss Platz kämpfen oder bin ich angenommen so, egal wie ich auftrete quasi.
00:05:43: Und das finde ich wird jetzt heutzutage ja nochmal dadurch verstärkt dass Stress generell die innere Differenzierungsfähigkeit vermindert.
00:05:54: also das kennt ja jeder wenn man so richtig auf zinne ist dann ist es schwer irgendeine persona von der man so denkt dass sie perfekt zum setting passt aufrecht zu erhalten.
00:06:04: sondern unter druck passiert jetzt eigentlich immer dass das gehören geschwindigkeit über genauigkeit.
00:06:12: priorisiert.
00:06:13: Also das sozusagen wir auf bekannte Muster zurückgreifen, dass wir schnelle Reaktionen zeigen und das ist meistens etwas was dann auf so eine vereinfachte Bewertung zurückzuführen ist und das kennst du vielleicht auch hier komplexer die Situation ist Und je gestresster du bist, desto mehr rutschst du vielleicht auch in deine ganz archaschen Stressmuster zurück und bist vielleicht nicht so strategisch sondern eher im Anführungszeichen handelst Du Vertrauter.
00:06:44: Ich muss gerade überlegen wie ich es nenne weil man sagt im Englischen ja so Familie oder if it's hysterical its historical also eben immer wieder dieses Thema was quasi vertraut in Bezug zu biografischer Prägung setzt.
00:07:01: Und ja, also ich hatte jetzt gerade schon das Beispiel von dem kritischen Hinterfragen genannt, dass es sozusagen wie eine... potenzielle Bedrohung ist und dann ist natürlich die Reaktion vielleicht eine, die deine Position zu sehr verteidigt oder dass du schneller ein bisschen schärfer argumentierst.
00:07:22: Dass du vielleicht weniger zuhörst, dass du andere abwertest oder so.
00:07:25: auf jeden Fall kann man sagen wenn dieser kleine Träger gesetzt ist, dann sinkt deiner Entscheidungsqualität und sagen wir mal der Raum für die situative Verbesserungen aber eben auch für deine persönliche Entwicklung geht.
00:07:38: die geht dadurch natürlich verloren.
00:07:40: Und das Spannende ist eben, dass man in diesen Situationen, in denen ein altes Bindungs- oder Beziehungsmuster aktiviert wird nicht wirklich auf das hier und jetzt reagiert sondern auf die Bedeutung, die das Hier und Jetzt hat und die Beteutung diert ihren Ursprung eben meistens sehr weit in der Vergangenheit.
00:08:01: Also sagen wir mal, weil ich das häufig erlebe.
00:08:05: Ein Projekt läuft irgendwie kritisch eine Deadline ist gefährdet die Anspannung steigt bei allen.
00:08:11: eigentlich wäre es jetzt vielleicht sinnvoll sich nochmal mehr abzustimmen oder auch für die Führungskraft vor allem noch ein bisschen besser zu delegieren.
00:08:17: und unter Stress ist aber vielleicht so dass die Person dann Ich muss das jetzt hier regeln, sonst macht es irgendwie keiner und ich muss jetzt hier mal richtig Druck auf die Pfanne geben.
00:08:28: Es dauert mir alles zu lange so was aktiviert wird und das liegt vielleicht gar nicht daran dass das jetzt die beste Entscheidung wäre sondern vielleicht ist das eine Person die früher ganz viel Verantwortung übernehmen musste und die damit eigentlich überfordert war.
00:08:42: Das heißt immer wenn Druck entsteht dann reagiert sie mit Gegendruck oder eben mit ganz viel Kontrolle weil das in der Vergangenheit ein Sicherheitsgefühl gegeben hat, also dass die Person dann vielleicht ein bisschen micromanaged oder alles mögliche eine Entscheidung an sich zieht und eher kontrolliert als loslässt.
00:09:01: Und dadurch wird natürlich das Team irgendwie lahmer oder die Führungskraft wird zum bottleneck.
00:09:05: Das kennst du wahrscheinlich.
00:09:07: wenn in einer ähnlichen Situation schon mal was?
00:09:09: Dass dann generell die Überlastung einfach ganz stark, bezieht sich das auch zum Beispiel auf Konflikthemen.
00:09:17: Also wann immer es Konflikte im Team oder auf der gleichen hierarchischen Ebene oder auch von Führungskräften nach oben zu Vorgesetzten gibt da ist immer super spannend.
00:09:25: was für Primärerfahrungen hast du eigentlich mit Konflikt Navigation gemacht?
00:09:32: also ich mag ja gerne diesen Ausdruck Rapture and Repair.
00:09:36: Es ist total unmöglich dass irgendwelche Konflkte im Führungsalltag entstehen.
00:09:41: die Frage nur wie man seine eigenen Reparaturfähigkeiten entwickelt hat.
00:09:46: Und wenn du jetzt zum Beispiel jemand bist, der denkt, dass Konflikt immer Instabilität bedeutet und früher gut damit gefahren bist mögliche Konflikte zu harmonisieren weil du sie als super belastend irgendwie empfunden hast.
00:10:02: Dann kann es eben heute dazu führen das du viel zu schnell versuchst Rohr reinzubringen und dass du dadurch vielleicht auch Position so ein bisschen aufweichst oder auch selbst Schwierigkeiten hast mal klar dich zu positionieren und dann bleiben vielleicht Konflikte im Raum stehen.
00:10:18: Ja, es wird eben nicht geklärt was unterschwellig gärt und das ist ja nie besonders gut.
00:10:25: Gerade im Konfliktverhalten gibt's auch noch so einen weiteren Punkt eben... viel zu projizieren.
00:10:31: Also dann natürlich, wenn man sowieso schon erregt ist im anderen auch noch ein bestimmtes Verhalten zu interpretieren und den Bedeutungen zuzumessen die da im Gegenüber vielleicht gar nicht gerecht werden sondern die auch eben eine Übertragung aus der Vergangenheit sind.
00:10:46: also wir erleben das zum Beispiel häufig dass wenn in Familien früher klar war, dass das sogenannte Familien oberhaupt.
00:10:57: Ob das nun die Großmutter war oder der patriarchalische Vater ist vollkommen egal.
00:11:01: Also irgendeine Autoritätspersonen, die letztendliche Entscheidung gefällt hat dann erleben wir bei Führungskräften manchmal so eine Entscheidungsohnmacht in kritischen Zeiten weil dann eben innerlich eigentlich so ne Anspannung und Erwartung herrscht, dass irgendwann irgendjemand anders endet Machtwort spricht oder was wir auch viel erleben ist, wenn so und darüber haben wir in unserer längeren Folge auch schon gesprochen.
00:11:28: Wenn kulturelle Prägungen in Unternehmen zum Beispiel proklamieren so familiär orientiert zu sein also eine Familie zu sein dann ja sind natürlich Unbewusst Aussagen aktiviert die ganz stark mit dem Familienleben zu tun haben, vielleicht sowas wie bedingungslose Zugehörigkeit oder dass man so einen Loyalitätsdruck verspürt.
00:11:52: Dass man sich emotional verbindlicher fühlen müsste als man es eigentlich will Und dadurch natürlich auch dann Entscheidungen im Alltag leiden, also dass man vielleicht nicht so gut ein Problem benennen kann oder dass man sich vielleicht nicht traut innovativ zu sein weil man Angst hat vor Fehlern.
00:12:16: Also alles, was sozusagen dahin geht die eigenen inneren Muster mal unter die Lupe zu nehmen ist etwas, das meines Erachtens dazu führt.
00:12:27: Dass man bewusster zwischen den Impulsentscheidungen, die man vielleicht aus diesen alten Mustern heraus treffen würde und der bewussten Entscheidung... zwischen bewusster unterscheiden kann.
00:12:41: Also die Frage eben sozusagen reagiere ich einfach nur im Effekt, also im Sinne von automatisiert oder entscheide ich wirklich bewusst?
00:12:52: Also finde ich eine echte Antwort oder reagiere aus einem gelernten Muster heraus und deshalb glaube ich ist es gut vor allen Dingen mal Interventionen anzudenken, die dieser Bewusst Machung dienen, also sich überhaupt gewahrt zu werden was in einem so los ist.
00:13:12: und meistens Ist das ja so eine sache die man währenddessen nicht merkt und einem nachher vielleicht ein bisschen unangenehm ist.
00:13:19: Und da finde ich immer ganz toll so trigger mapping zu betreiben.
00:13:22: Die übungen kannst du von mir vielleicht auch schon paar mal gehört die mache ich ganz viel mit führungskräften weil es einfach für so unfassbar viel klarheit Sorgt also mal Eine Tabelle aufzumachen, in der du die Situation beschreibst.
00:13:34: Also was ist passiert?
00:13:36: Und Situation Beschreiben heißt dass jemand anders ein Film draus drehen könnte also das man wirklich nur das beobachtbare Auffass aufnimmt und dann in der zweiten Spalte mal ganz deutlich zu beschreiben wie du dich genau gefühlt hast Aufgrund dieser Gefühle, wie hast du die Interpretation der Situation vorgenommen?
00:13:53: Also wie hast Du sozusagen der Situation eine Bedeutung beigemessen?
00:13:58: und dann eben wirklich mal zu gucken okay woher kenne ich das.
00:14:02: Woher kommt mir das bekannt vor?
00:14:04: ist das etwas was mich an meine Vergangenheit erinnert?
00:14:09: Und wenn du jetzt sagst, oh ich habe da gar nicht so eine spezifische Situation dann könntest du dich mal fragen welche Situation dich denn generell im Berufsalltag total triggern.
00:14:18: Also welche Muster sich vielleicht wiederholen?
00:14:19: Wenn du im Nachhinein denkst boah da hab' ich irgendwie nicht so gut entschieden das habe ich noch nicht so richtig gut hingekriegt.
00:14:24: oder dass du dich auch mal fragst, welche Rolle du auch immer wieder spielst.
00:14:28: Also was sozusagen dein Default-Mode ist wenn du unter Stress bist oder unter Druck gerätzt also welche Version von dir quasi unter Druck führt und woran dich das vielleicht auch in deiner eigenen Geschichte erinnert denn?
00:14:44: Und das finde ich den wichtigsten Aspekt von dieser Folge.
00:14:49: Du möchtest ja nicht, dass die Vergangenheit deine Gegenwart regiert und deshalb hoffe ich dich damit inspiriert zu haben mal ein bisschen drüber nachzudenken welche Muster vielleicht alt sind und noch einmal überarbeitet werden können, damit du nicht im Job in ähnliche emotionale Endzustände gerätst wie Situation deiner Kindheit erlebt hast, in denen du dich vielleicht eher machtlos oder ärgerlich oder traurig oder überfordert oder so gefühlt hast.