Von innen nach außen - Struss & Claussen

Von innen nach außen - Struss & Claussen

Transkript

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00:00:01: Hallo und herzlich willkommen zu dieser neuen im Kernfolge.

00:00:04: Mein Name ist Angel Struss, und ich freue mich, dass du zuhörst!

00:00:08: Heute möchte ich ein Thema aus unserer letzten Folge noch einmal aufgreifen.

00:00:13: Es ging um das Thema Achtsamkeit Und ich muss sagen, dass das ein Thema ist bei dem ich mich über die letzten zehn Jahre selbst belehren lassen durfte und jetzt quasi voll der Fan davon bin.

00:00:25: Und gerade in meinen Führungskraftekoachings spielt es eine ganz große Rolle hat aber nach wie vor einen negativen Ruf.

00:00:34: noch ein bisschen detaillierter eingehen.

00:00:36: Weil ich nämlich glaube, dass gerade im Leadership-Kontext Achtsamkeit zu Unrecht als so'n Wellnessthema oder so eine Entspannungstechnik oder so einen Yogi-Fimmel quasi abgetan wird.

00:00:49: Letztendlich ist es meines Erachtens aber genau das Gegenteil – Ich wirklich einen Fokus halten zu können, sich zu konzentrieren also achtsam sein zu können.

00:01:00: Ein ganz wichtiges Machtinstrument im besten Sinne!

00:01:04: in der Führung ist.

00:01:06: Also ich glaube, wer das hinkriegt hat eine wesentlich größere Souveränität und diese Gedanken würde ich dich jetzt gerne einmal mitnehmen um dich auch zum Achtsamkeits-Fan zu machen weil ich dir versichere dass deine Führungskraft also du deine Kraft in dir drin als Führingsperson davon definitiv profitieren wird.

00:01:26: Ich glaube, das eigentlich Problem unserer Wissensarbeit im Moment ist ja die fragmentierte Aufmerksamkeit.

00:01:32: Und es kommt auch nicht von ungefähr systematisch.

00:01:36: Ist ja die attention economy darauf ausgerichtet oder basiert da drauf dass man menschliche Aufmerksamkeiten möglichst lange bindet weil diese ganzen unterschiedlichen Plattformen Nachrichtenmedien und die ganzen KI gestützten Systeme aber um unsere kognitiven Ressourcen Konkurrieren führt es letztendlich zu einer fragmentierten Aufmerksamkeit.

00:02:00: Also wir springen eben zwischen allen möglichen ständig hin und her und haben deshalb mit der Aufmerksamkeit nicht nur sozusagen eine individuelle Frage zu lösen oder Fähigkeit zu entwickeln, sondern ich glaube Aufmerksamkeit generell ist so einer richtig wichtigen ökonomischen Ressource geworden.

00:02:19: Und damit kommt dann natürlich ein Herr das auch von außen darauf zugegriffen werden möchte und wir quasi dafür sorgen müssten uns gutzuschützen weil je öfter jetzt Aufmerksomkeit unterbrochen wird und es kennt glaub ich jeder vom Arbeit Das ist so schwieriger wird es dann auch mit der tieferen Konzentration, also die Begriffe cognitive overload oder task switching.

00:02:43: Die kursieren ja immer mal wieder in irgendwelchen Medien.

00:02:47: Wir haben auch schon darüber gesprochen.

00:02:49: da wird auf jeden Fall gezeigt dass dieses switchen zwischen unterschiedlichen Fokusfeldern auf jeden fall die mentale Ermüdung erhöht, dass die Fehleranfälligkeit natürlich auch steigt.

00:03:01: Wenn ich mich immer wieder neu einarbeiten muss dann brauche ich erst mal bis ich wieder reinkomme.

00:03:05: das heißt ich verliere auch ultra viel Zeit durch dieses sogenannte Multitasking was ja sowieso nicht möglich ist.

00:03:11: aber diese schnelle Wechseln zwischen verschiedenen Aufgaben oder Fokusfeldern.

00:03:16: Das führt dazu, dass man viel mehr gestresst ist.

00:03:19: Mit mehr Stress sinkt die Entscheidungsqualität weil wir überhaupt gar nicht mehr die neuronalen Kapazitäten haben um irgendwie planerisch und strategisch vorzugehen dadurch das das Arbeitsgedächtnis eben viel zu sehr belastet ist.

00:03:31: also man muss sich vorstellen da läuft dann alles auf Hochtouren und deshalb sind dann die Areale nicht mal so richtig anzusteuern die mal ein bisschen mehr in die Tiefe gehen die vielleicht auch kontextuell denken die ein bisschen besser priorisieren können oder auch antizipieren können.

00:03:48: Das führt dann dazu, dass die Aufmerksamkeit, die wir verschenken ziemlich oberflächlich ist was wiederum dazu führt das alles irgendwie so reaktiv funktioniert also tausend Kommunikationswege gleichzeitig zu wählen.

00:04:03: Ich vergleiche das dann mit so einem Open-Tab-System auf dem Computer, da ist irgendwie alles gleichzeitig offen und auch noch der Desktop ist voller nicht weg sortierter Dokumente oder so.

00:04:13: Das heißt alle sind irgendwie offen man ist erreichbar für jeden und es ist alles darauf ausgerichtet möglichst schnell zu antworten schnell einzugreifen schnell zu entscheiden schnell zu reagieren.

00:04:24: aber wie gesagt dass was wir glaube ich für moderne gute Führung brauchen und der eigentlichen wirklich bewussten Antwort unterscheiden können.

00:04:37: Weil so eine schnelle Reaktion, die sogar ganz automatisiert kommt, die hat unter Stress ja vor allen Dingen das Problem dass sie auf so ganz vertraute und vielleicht auch nicht immer nur förderliche Verhaltensweisen zurückgreift, dass wir irgendwie ganz schnell was verteidigen, zur Kontrolle neigen uns zurückziehen rechtfertigen, vielleicht irgendwie im Effekt handeln oder impulsiv sind.

00:05:01: Und deshalb glaube ich, ist es wichtig mit dem Thema Aufmerksamkeit auch wirklich als ökonomische Machtfrage nochmal zu schauen.

00:05:10: Okay wie sehr bin ich eigentlich in der Lage?

00:05:14: Wahrnehmung und Handlung voneinander zu trennen Und echt diesen Raum für mich mal wieder betretbar zu machen, um mich zu fragen.

00:05:22: Hey was passiert hier eigentlich gerade?

00:05:25: Was löst das überhaupt in mir aus?

00:05:27: Wie interpretiere ich das, was hier gerade los ist?

00:05:30: und nicht nur wie habe ich irgendwie Bock situativ zu reagieren damit ich meine innere Anspannung los werde sondern welche Reaktion es für diese Situation wirklich sinnvoll.

00:05:43: Und ich glaube, das zu können verändert eben die Qualität von Führung.

00:05:47: fundamental eigentlich und in dem Sinne würde ich sagen ist Konzentration und die Fähigkeiten, Fokus zu bilden eine Kompetenz, die deine Energie so richtig bündelt sodass du dann viel zielgerichteter genau das erreichen kannst, was du dir vorgenommen hast.

00:06:10: Also dass du erst mal einen Gedanken nur als Gedanken wahrnimmst, dass du Gefühle so früh bemerkst, sodass du sie nicht direkt ausagieren musst, dass vielleicht auch körperliche Stresssignale ein bisschen früher wahrnennst und ja... Nicht automatisch sozusagen gesteuert wirst von dem Impuls sondern dass du die Möglichkeit hast mal ein bisschen mehr zu überlegen.

00:06:32: Ich hatte neulichen Kunden total spannend der in so einer Vorstandsrunde ein kritisches Feedback zu einer wichtigen strategischen Entscheidung bekommen hat, und der dann innerhalb von Sekunden quasi alle Schotten hochgefahren hat und einen richtigen Verteidigungsmodus aufgesetzt hat.

00:06:50: Also er konnte das auch richtig benennen im Nachhinein dass sein Puls gefühlt gestiegen ist, dass seine Hände so ein bisschen schwitziger wurden.

00:06:57: Dass sein Ton schärfer wurde und der hat sich gefühld meinte er wie im Krieg was ich irgendwie auch so eine spannende Wortwahl fand weil das ja auch die Wichtigkeit oder die Dramaturgie dieser Reaktivität zeigt.

00:07:12: Und wenn ich dann in der Lage bin überhaupt zu merken, okay hier ist ein Reiz gekommen ich muss nicht sofort reagieren.

00:07:19: Dann habe ich eine millisekunde Zeit in die Beobachtung zu gehen und mir wirklich vor Augen zu führen was da gerade passiert also mir gewahrt zu werden was in mir gerade ausgelöst wurde.

00:07:31: erst dann hab ich überhaupt die Wahl reagieren zu können, weil wenn ich eben keine Achtsamkeit habe dann kann ich mir die Dinge, die gerade passieren ganz wenig nur bewusst machen und dann bin ich quasi Sklave meines eigenen Effektes.

00:07:46: Und das ist ja das Gegenteil von Unabhängigkeit.

00:07:48: also wenn ich überhaupt keine Wahl mehr habe dann bin Ich quasi abhängig von meiner impulsiven inneren Eskalationswahrscheinlichkeit sozusagen ein ähnliches Thema hatte ich mit einer weiblichen Führungskraft perfektionistische Tendenzen hat und eigentlich jetzt so langsam in die Erschöpfung steuert, weil sie eben nach dem eigentlichen Arbeitstag das Gefühl hat, das erste Mal wirklich Ruhe zu haben um ihre Aufmerksamkeit auf eine bestimmte Sache zu bündeln.

00:08:15: Und dann kontrolliert ihr halt irgendwie Präsentation vom Team bis spät in die Nacht und guckt alles nochmal nach und durch und verbessert und so.

00:08:23: Das wirkt nach außen vielleicht wie ein hoher Qualitätsanspruch aber nach innen merkt man eben wie viel Anspannung die hat und wie viele Angst vor Fehlern die es zu delegieren.

00:08:33: Und auch da haben wir stark an dem Thema Achtsamkeit gearbeitet, weil das ja gar nicht bedeutet dann auf einmal weniger ambitioniert zu sein sondern es geht darum dass man den inneren Mechanismus hinter dem eigenen Verhalten irgendwie schneller erkennt Weil, und darum geht es nämlich dann genau eine erhöhte Achtsamkeit verändert im Führungskontext.

00:08:55: Gerade bei der hohen Komplexität mit der wir gerade konfrontiert sind.

00:08:59: die Entscheidungskompetenz also meine Entscheidungsqualität hängt ja nicht nur von meiner Intelligenz oder meiner Erfahrung ab sondern auch ganz stark von dem inneren Zustand in dem ich mich gerade befinde.

00:09:10: Und wenn ich wirklich Achtsamkeit habe Dann kann ich vielleicht ambivalenzen besser aushalten dann kann ich unterschiedliche Perspektiven dann muss ich nicht meine eigenen Emotionen überall mit reinbringen.

00:09:21: Dann kann ich emotionale Dynamiken quasi als inhaltlichen Input vom Team einbeziehen, also ich habe eine bessere Impulskontrolle und aufmerksamkeitsstabilität.

00:09:35: Ich kann mich besser selbst beobachten.

00:09:37: Also alles insgesamt besser, weil ich mehr Klarheit habe, mehr Stabilität, weil dann natürlich auch die Lernfähigkeit im Team gesteigert wird und weil ich vor allen Dingen nicht so viel Kraft verliere.

00:09:48: Von daher was ist wenn wir Mindfulness weniger in die weichgespülte Ecke stellen?

00:09:55: Und das negativ beurteilen als mehr zu sagen hey diese Art von Softskill wird sich zukünftigen Führen hart auszahlen, weil es nämlich eigentlich ein Instrument von innerer Autorität und Souveränität ist.

00:10:12: Und was kannst du jetzt machen?

00:10:13: Ist die Frage?

00:10:14: das wichtigste ist den Reiz und die Handlung voneinander zu entkoppeln.

00:10:20: Das heißt eben immer dann, wenn du das Gefühl hast boy jetzt kommt mir irgendwie innerlich entweder die Wut hoch oder der Fluchtinstink kommt.

00:10:28: Oder ich fühle mich zerstreut oder so, dann einmal zu schauen hey zehn Sekunden Verzögerung also wirklich die Power der Pause zu nutzen um einmal zu Schauen was genau passiert hier überhaupt gerade?

00:10:42: Was war der Reiz?

00:10:43: Was ist meine innere Reaktion?

00:10:46: Will ich so handeln oder möchte ich nicht vielleicht ein bisschen mehr Kontrolle über das haben, was ich als nächstes tue?

00:10:53: Du kannst dir auch einen bewussten Fokusblock mal in den Kalender eintragen, also deine Aufmerksamkeit zurückerobern indem du einfach mal alles ausschaltest was dich stören könnte.

00:11:05: Also irgendwelche Push-Nachrichten auf dem Handy die sollten sowieso generell weniger auftauchen E-Mail Slag Teams Alles was du vielleicht so an ad hoc Anfragen haben könntest.

00:11:16: Und da ist die Frage, ob du vielleicht sogar in der Lage bist das einmal am Tag dreißig Minuten lang zu machen und dann mal für dich zu beobachten.

00:11:23: Wie ist es eigentlich wenn dein Handy weg ist?

00:11:25: Wenn keine Chats offen sind, wenn du dich nur einer Aufgabe widmest und dir dann innerlich die Frage stellst okay worauf soll meine Aufmerksamkeit jetzt vollständig gerichtet sein?

00:11:39: Warum ist das eine wichtige Übung?

00:11:40: Weil, das merke ich im Coaching immer wieder.

00:11:42: Die Fähigkeit sich über längere Zeit zu konzentrieren und die Aufmerksamkeit auf einem Punkt zu halten ist inzwischen schon fast ein bisschen verloren gegangen.

00:11:50: also man darf das ruhig auch erst mal wieder lernen sich selbst quasi auszuhalten in einer konzentrierten fokussierten sehr aufmerksamen Aufgabe.

00:12:00: Ich hoffe, dass du Lust hast das mal auszuprobieren und die Achtsamkeit dir jetzt vielleicht für dich nochmal zu einem größeren wichtigen Instrument deiner Führungspraxis wird.

Über diesen Podcast

Alle paar Wochen nehmen sich Ragnhild Struss und Johann Claussen Zeit zum Deep Dive vor den Podcast-Mikros: Gemeinsam mit Interviewerin Jalée Grau diskutieren sie die großen Fragen der Persönlichkeitsentwicklung, Job- und Lebensplanung:

Was hat Geduld mit Erfolg zu tun? Wie entsteht ein gesunder Selbstwert? Was bedeutet es, wenn ich nie zufrieden bin? Wie finde ich einen Job, der wirklich zu mir passt?

In einer Mischung aus theoretischem Wissen und praktischer Erfahrung gehen die Podcast-Hosts menschlichen Verhaltensmustern auf den Grund, hinterfragen innere Überzeugungen und beleuchten die Macht des Unbewussten. Denn – so ihre Überzeugung und das Motto ihres Unternehmens Struss & Claussen Personal Development: Alles beginnt im Innen.

Viel Spaß und Inspiration beim Hören!

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von und mit Ragnhild Struss und Johann Claussen

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