00:00:01: Hallo und herzlich willkommen zur neuen im Kernfolge.
00:00:04: Mein Name ist Rangel Struss, ich möchte heute einen kleinen Aspekt aus unserer ausführlichen Folge zum Thema Mentaload herausgreifen und ihn auf die Praxis des Führungskräftecoachings übertragen.
00:00:17: Ich darf dazu sagen dass wir jetzt glaube ich das dritte oder vierte mal anfangen diese Podcast-Folge aufzunehmen.
00:00:23: es ist Montag habe ganz viele andere Dinge im Kopf, während ich mich mit der Podcastaufnahme beschäftige.
00:00:31: Und deshalb dachte ich ist das eine ganz gute Gelegenheit um mal einen Einblick auch darin zu geben wie Mental Load bei Führungskräften aussehen kann.
00:00:39: Denn wenn Führungskräfte zu mir kommen dann sind sie hauptsächlich auch mit der Frage beschäftigt Wie Sie ihre Entscheidungsqualität verbessern können und auch die Entscheidung Emotionen also wie sie sich dabei fühlen.
00:00:49: und Wenn Ich Dann Mit dem Thema mental load und Mal auseinanderzunehmen Um Die Ecke Komme was sie eigentlich alles für offene Handlungsschleifen oder Verwaltungsschreifen im Kopf haben, dann merke ich das die Nase gerimpft wird.
00:01:00: Weil Führungskräfte dieses Thema häufig noch mit Kehrarbeit oder Haushaltsführung, Familienplanung oder so verbinden.
00:01:09: Und dieses Missverständnis möchte ich jetzt gerne mal aufklären weil ich nämlich glaube dass Führungskräfte im Grunde eine der am stärksten betroffenen Gruppe von Mental Load sind aber eben zu selten darüber reden und deshalb als erstes vielleicht Mal wie äußert sich denn Mental Load?
00:01:25: Eben wenn man Führungsverantwortung hat.
00:01:28: Ich glaube, das ist zum Beispiel – und so geht es mir heute nach einem wichtigen Team-Meeting heute Morgen.
00:01:34: Es geht zum Beispiel so um permanente Antizipationen also was quasi als nächstes passiert?
00:01:39: Was man in den Fokus nehmen muss?
00:01:41: Welche strategischen Entscheidungen anstehen wie das operative mit dem Gesamtziel eigentlich noch zusammenpasst?
00:01:46: Man muss glaube ich ganz schön viel für andere Mitdenken sowohl im positiven als auch im negativen, also positiv vielleicht hinsichtlich der Potenzialentwicklung von Mitarbeitenden oder im negativ auch, dass man sich Sorgen darüber macht wer was wie übersehen könnte.
00:02:02: Ich glaube das ist ganz schön viel Entscheidungsdruck gibt und dass die Anforderung an Führungskräfte heute so hoch sind, dass zum Beispiel auch sowas wie eine emotionale Mitregulation von Teams erwartet wird zumindest in einem eigenen inneren Anspruch, dass unausgesprochene Konflikte die ganze Zeit im Hintergrund sind, Governance-Fragen im Zeitalter von Social Media sind ja auch Reputationsrisiken irgendwie zum inneren Gedankengut geworden.
00:02:36: Also, ich glaube es gibt viel Druck und viele Zukunftsängste und ich glaub das KI da gerade für Führungskräfte echt nochmal so ein Verstärker ist der zu Mental Load führen kann.
00:02:46: erstens weil wir natürlich einfach wahnsinnig vielen mehr Option haben.
00:02:50: wenn mehr möglich ist dann muss ich natürlich auch mehr abwägen und muss mir überlegen was kann ich tun, was möchte ich tun?
00:02:59: Was sollte ich angesichts all der Möglichkeiten
00:03:02: tun?".
00:03:02: Damit steigt natürlich die innere Last.
00:03:05: Weil es einfach viel mehr Vergleichbarkeit, mehr Entwürfe, mehr Analysen, mehr Automatisierungsfade und mehr Karriereoptionen gibt.
00:03:13: aber neben Options-Explosion ist, glaube ich auch.
00:03:17: Das stelle ich zumindest in meinen Coachings fest eine Identitätsunsicherheit mit dieser Wahnsinnsschlagzahl verbunden mit der wir jetzt konfrontiert sind denn die KI greift ja auch in Felder ein über die viele Leistungsträgerinnen bis hierhin ihren Wert definiert haben also zum Beispiel eben die Analysefähigkeit sprachliche Gewandheit strategische Analysen, Schnelligkeit, Problemlösungsmöglichkeit.
00:03:45: Also insgesamt alles was mit Produktivität zu tun hat.
00:03:48: und wenn das alles automatisierbar ist dann entsteht natürlich eine viel tiefere innere Frage nochmal danach wo drin eigentlich der eigene Wert als Führungskraft besteht.
00:03:59: Ich habe neulich so ein Artikel von der American Psychological Association gelesen und da stand eben auch drin, dass gerade Führungskräfte ganz doll von Sorge auch geprägt sind.
00:04:10: Weil die Zukunft so unsicher ist und weil sie nicht genau wissen wie sich ihr eigenes Führungsbild verändern wird und verändern sollte Und ja, dadurch natürlich auch ziemlich viel inneren Druck verspüren.
00:04:23: Warum?
00:04:23: Und das ist auch glaube ich noch so ein weiterer Punkt.
00:04:26: Warum ist Entscheidungsdruck auch ein Thema was Mental Load erhöht?
00:04:31: Ich glaube wenn wir jetzt mal die Zeitachse betrachten dann muss heute in wesentlich viel kürzerer Zeit wesentlich mehr bearbeitet werden und Entscheidungs-Druck ist damit einmal inhaltlich aber es auch technisch also überhaupt die Frage welche Tools erlauben wir welchen nicht, welche Prozesse automatisieren?
00:04:48: Wer trägt dafür die Verantwortung?
00:04:50: Welche Rollen verändern sich, wie kommunizieren wir das im Unternehmen.
00:04:53: Wie sichern wir vielleicht auch die
00:04:55: Qualität?".
00:04:56: Wie schützen wir Vertrauens, finde ich auch eine super wichtige Frage.
00:04:59: Das sind also alles... Ich stelle mir das immer vor wie so acht neunzigtausend Tabs die gleichzeitig geöffnet sind?
00:05:05: Das sind alle einzelne Tabs im Internet des Gehirns sozusagen, die gleichzeitig nach Bearbeitung schreien und das ist eigentlich der Inbegriff von Mental Load!
00:05:15: Ich finde da auch ein Trichterbild total gut.
00:05:17: wenn man sich vorstellt dass oben in den Trichtern einer Wahnsinnsgeschwindigkeit immer mehr reinkommt dann ist es natürlich wichtig sich zu fragen gut dafür sorgt, dass alles einzeln da durchgebracht wird um überhaupt noch richtig handlungsfähig zu sein.
00:05:33: Und da ist ja dann die Frage, was braucht es überhaupt?
00:05:36: Um eine richtig gute Entscheidung treffen zu können.
00:05:39: Und neben der kognitiven Kapazität also überhaupt Raum dafür zu haben?
00:05:43: und auch die entsprechende Intelligenz ist vor allen Dingen wichtig wie ich emotional reguliert bin.
00:05:49: Also wie stark ich auch in der Lage bin meinen eigenen State, also das sozusagen Stadium oder der Zustand in dem Ich mich befinde Wie gut ich den so regulieren kann dass ich nicht zu angespannt bin und für eine gute Entscheidung klare Kriterien zu haben, aber eben auch begrenzte Optionen und das ist ja etwas was heute eher wegfällt.
00:06:10: Wir brauchen eine realistische Risikoabwägung und – und dass es auch nicht unwichtig – wir brauchen dieses innere Selbstwirksamkeitserleben.
00:06:18: Das heißt ich brauche das innere Sicherheitsgefühl erstens, dass sich gut entscheiden kann, dass ich dazu fähig bin und zweitens auch, Wenn jetzt aber so ein, in der Forschung nennt man das Choice Overload besteht.
00:06:34: Also wenn so viele Optionen auf mich einwirken und dafür gibt es auch viele Untersuchungen unter anderem von Microsoft.
00:06:42: Wenn ich andauend unterbrochen werde bei der Arbeit dann ist quasi in dem Moment wo ich unterbrochene werde wieder neues Task geöffnet und ich muss danach mich erstmal in das Alter mit dem ich beschäftigt war wieder reinfinden.
00:06:53: also Man merkt schon unter Stress werden genau die Gehirnfunktionen instabiler, die eine gute Führung meines Erachtens eigentlich braucht.
00:07:03: Nämlich dass das Arbeitsgedächtnis gut funktioniert und ich noch eine kognitive Flexibilität habe, dass ich gut priorisieren kann.
00:07:09: also ich überhaupt weiß hey was ist jetzt zuerst dran weil es irgendwie wichtig ist?
00:07:13: Ich muss ein Perspektivwechsel einnehmen können.
00:07:16: Ich muss auch in der Lage sein irgendwie komplexe Dinge abzuwägen was neben Zeit einfach auch Konzentrationen braucht.
00:07:23: Und deshalb ist schon klar, dass wenn ich jetzt gestresst bin.
00:07:28: Dann sind die Hirnareale nämlich der präfrontale Cortex hauptsächlich Die dafür da sind das sich gut abwägen kann, dass ich rational entscheiden kann Dass ich eine gewisse Ruhe auch in meinen inneren vergleichen vornehmen kann.
00:07:41: diese Region ist dann sozusagen unter aktiviert weil alles was so zu sagen reaktiver regida oder eben kurzfristiger ist besonders ist.
00:07:53: Also Stress verändert einfach die Prioritäten des Gehirns, das heißt wir sind dann eher so auf unsere Basalen Funktionen ausgerichtet werden ein bisschen sensibler für Bedrohungen und sind alarmierter.
00:08:07: aber wenn wir jetzt besonders effizient im Alarmieren sind, sind wir dafür natürlich auch schlechter im Ordnen Und deshalb ist dann natürlich jetzt häufig die Gefahr, dass wir nicht so gut entscheiden.
00:08:18: Ich stelle bei den Führungskräften, die ich begleite immer wieder fest, also so verschiedene Formen von dysfunktionalem Entscheidungsmodi gibt – nämlich auf der einen Seite und du wirst dich vielleicht in dem ein oder anderen Wiedererkennen eine Überanalyse, also das Du einfach noch und nöcher und noch mehr Daten analysieren möchtest um Sicherheit zu erzeugen.
00:08:37: Dann gibts die Fraktion dazu gehöre ich wahrscheinlich auch eher die Impulsentscheidungen trifft, recht hart oder plötzlich zu entscheiden, einfach weil man das Gefühl hat jetzt mal handeln zu müssen.
00:08:47: Und das Spannende daran ist dass diese Dynamik eigentlich nicht der Klarheit dient sondern der Erleichterung.
00:08:53: also das sind so Entscheidungen die eben genau versuchen den Stress von Mental Load dieses Druckgefühl im Innen abzubauen.
00:08:59: Dann gibt es Menschen, die ja in die Vermeidung gehen.
00:09:02: Also die das verschieben was sie eigentlich entscheiden müssen.
00:09:06: Das sind so diese typischen Sätze lassen uns das noch mal mitnehmen und im nächsten Steering nochmal rausholen.
00:09:11: Und dann gibt's aber auch Leute, die so in die Mikro Kontrolle gehen also dann vor allen Dingen mehr und tiefer in irgendwelche Prozesse eintauchen Die auf der operativen Ebene liegen und eigentlich für die strategischen Führungsaufgaben jetzt nicht so relevant sind Aber eben Kontrolle zurückgeben.
00:09:30: Ich stelle auch einmal wieder fest, dass Menschen – ich weiß nicht ob du vielleicht die Eisenhower Matrix kennst, die unterteilt in vier Aktien nach Wichtigkeit und Dringlichkeit im regulierten Zustand… kann man das auch gut priorisieren, dann priorisiert man danach was die größte Wirkung im Sinne der eigenen Rolle hat.
00:09:46: Also dass was strategisch ist und das was heute anliegend wichtig ist.
00:09:51: Und ich stelle immer wieder fest, dass unter Stress die Eisenhower Matrix quasi wie umgedreht wird also dass sich die Leute dann erst um die unwichtigen und überhaupt gar nicht dringenden Aufgaben kümmern einfach nur weil sie dann das Gefühl haben boy jetzt habe ich mal etwas gemacht!
00:10:05: Jetzt hab' ich wieder was unter Kontrolle gebracht.
00:10:08: Das ist dann so statt ein schwieriges Feedback Gespräch zu führen, vielleicht weiß ich nicht erstmal die E-Mail inbox aufzuräumen oder eine Präsentation zu perfektionieren anstatt die entscheidende strategische Entscheidung anzugehen.
00:10:21: Jetzt ist natürlich dann die Frage was macht man denn jetzt damit man dagegen anwirken kann?
00:10:27: also es gibt So ein paar Hilfsmittel, die meines Erachtens dazu führen dass man den Wert der Pause also zwischen sozusagen Input und Entscheidung nochmal für sich selbst ein bisschen besser strukturiert.
00:10:40: Wer mich kennt weiß das ich ja eine große Freundin davon bin die Themen erst mal durch die Ratio zu schicken weil wir nur steuern können was uns bewusst ist.
00:10:48: und so würde ich zum Beispiel eine Übung die mit Führungskräften häufig an Wände einmal vorstellen und zwar nennen wir die State Before Strategy.
00:10:57: Da geht es darum, dass man sich vor einer wichtigen Entscheidung die Zeit nimmt.
00:11:02: Mal ganz ruhig zu überlegen okay was ist eigentlich mein aktueller Zustand?
00:11:06: Also überhaupt erstmal zu überprüfen ob man im richtigen Stadion mit dem richtigen Zustand ist um entscheiden zu können.
00:11:13: Also ist man ruhig oder getrieben, ist man gereizt.
00:11:16: Bist du vielleicht erschöpft?
00:11:18: Fühlst du dich gerade defensiv?
00:11:20: Bist Du genervt irgendwie?
00:11:22: und dann zu gucken okay will ich eigentlich jetzt gerade wirklich entscheiden oder führt mein innerer Zustand dazu dass sie einfach nur Spannung los werden will also das Ding jetzt einmal mal hinter mir haben will damit ich endlich einen von diesen Tapps schließen kann Und dafür ist dann auch die Frage hilfreich.
00:11:37: Wäre die Entscheidung anders, wenn ich innerlich regulierter wäre?
00:11:41: oder auch mal so generell zu fragen welche Entscheidung wäre eigentlich anders?
00:11:45: Wenn ich wohl innerlich reguliert wäre und wie würde die Entscheidung dann aussehen?
00:11:49: Ich halte total viel davon das wirklich aufzuschreiben weil in dem Moment wo du schwarz auf weiß siehst kannst du auch eine innere Distanz einnehmen was wiederum total wichtig ist um genau die wichtigen Entscheidungsareale auch aktivieren zu können.
00:12:02: Und eine Sache, die ich noch spannend finde ist so ein Verantwortungsordit.
00:12:07: Das ist ne zweite Übung also mal die Frage was ist deine echte Verantwortung?
00:12:13: Was ist deine gefühlte Verantwortung und was ist nicht deine Verantwortung?
00:12:18: Wozu führt das, dass auf jeden Fall schon mal ein paar Tabs geschlossen werden nämlich die, die überhaupt gar nicht in deinem Kopf geöffnet sein müssten.
00:12:26: Sondern im Kopf einer anderen Person.
00:12:28: also diese beiden Übungen finde ich irgendwie so total spannend um für sich selbst den mental load, den jeder hat in Führungsverantwortung so ein bisschen zu sortieren.
00:12:39: Und vielleicht magst du dich auch nochmal fragen, welche Entscheidung dann?
00:12:44: Wenn du das so beobachtest.
00:12:45: Vielleicht eigentlich gar kein Entscheidungsproblem ist sondern eher ein Zustandsproblem also wo es eigentlich darum geht dass du dich regulieren musst und nicht darum geht, dass du noch mehr Informationen für eine bestimmte Entscheidung suchst Und generell, glaube ich ist es cool mal so zu überprüfen wo man versucht durch mehr Kontrolle Unsicherheit zu reduzieren und dadurch aber mehr Menscheload bekommt.
00:13:08: Also das sind so klassische Fälle von Ich habe nicht richtig delegiert oder ich bin sehr im Micro-Management.
00:13:15: Das geht natürlich direkt dann auch in den Bereich, sich mal zu fragen, welche Verantwortung für Entscheidungen man übernommen hat.
00:13:21: Ohne dass man sie vielleicht bewusst gewählt hat.
00:13:23: also dahingehend würde dann delegieren und überhaupt die eigene Rolle noch einmal mehr zu klären bedeuten das man darauf achtet einige von den ganzen geöffneten Tasks im Kopf mal zu schließen im Sinne von abgeben abschließen oder auf sozusagen unbestimmte Zeit zumindest erst Mal zu vergessen.
00:13:45: Ich hoffe, dass dir das hilft und freue mich wenn du in der nächsten Folge wieder mit dabei bist.