00:00:01: Hallo und herzlich willkommen zu dieser im Kernfolge.
00:00:04: Mein Name ist Rangel Struss, ich möchte das Thema Resilienz, was wir in unserer letzten längeren Folge behandelt haben noch einmal aufgreifen und es in den Kontext des Führungskräftecoachings setzen.
00:00:17: Und zwar fällt mir mehr und mehr auf dass in einer Zeit in der alles schneller wird und irgendwie immer mehr Druck zu entstehen scheint Die Führungskräfte, die zu mir kommen Resilienz manchmal verwechseln mit Dingen, die eigentlich eher Durchhalte vermögen oder Härte oder Disziplin oder Stressresistenz oder Selbstkontrolle.
00:00:41: genannt werden müssten.
00:00:42: und deshalb habe ich mir überlegt, dass sich das in dieser kleinen Folge einmal ein bisschen auseinander klamüsern möchte.
00:00:50: Weil ich glaube, dass wenn wir ein besseres Verständnis dafür entwickeln was Resilienz eigentlich bedeutet, dass wieder nicht so große Kosten tragen müssen die das reine Durchballern definitiv irgendwann nach sich ziehen würde.
00:01:04: Da kommen wir auch schon zum ersten Punkt diese Funktionsfähigkeit auf die viele Führungskräfte so stolz sind, weil sie damit auch demonstrieren vielleicht ein bisschen mehr Kraft zu haben als andere.
00:01:17: Die wird in Organisationen ja auch stark gelobt.
00:01:20: also es gibt ja so einen Narrativ von wer verfügbar ist, wer auch in stürmischen Zeiten noch liefert oder wer Last Man Standing ist oder sich generell wenig anmerken lässt von dem was in ihm so vorgeht.
00:01:35: der gilt stabil und das glaube ich führt dazu, dass so ein innerer Stolz dafür entwickelt wird wenn man quasi überkompensiert oder sich über anpasst.
00:01:48: Also wenn man irgendwann sagt ja ich brauche eigentlich nix und ich bin emotional auch nicht besonders berührbar was übrigens nach meiner Meinung nichts mit Stressresistenz zu tun hat aber das wäre vielleicht nochmal eine andere Folge wert.
00:02:02: Auf jeden Fall gibt es irgendwie so eine unsichtbare Helden-Story im Kalender, dass man ganz viele Termine wahrnimmt von einem Meeting zum anderen geht und ja innen aber vielleicht immer mehr in einer Erschöpfung kommt oder vielleicht auch so ein Groll entwickelt.
00:02:16: Oder so einen Genervt sein.
00:02:18: Je nach Persönlichkeit zeigt sich das unterschiedlich.
00:02:20: auf jeden Fall nimmt man vielleicht eine Reizbarkeit mehr und mehr im Innen- oder auch nach außen war.
00:02:27: Und das ist dann immer so ein Zeichen, dass das System eigentlich nicht mehr resilient reagiert, sondern dass es kompensiert oder sich eben überan passt.
00:02:36: Man merkt das daran, dass das Nervensystem dann irgendwie in so einem Daueralarm ist und dass der gefühlt auch als Baseline immer höher gesetzt wird.
00:02:44: also mehr und mehr wird dann Sicherheit über Kontrolle versucht zu erreichen.
00:02:49: Es gibt das Thema des Gefangenenseins in den Operations- oder das Micromanagement was quasi innerhalb dieser Meetingflut dann auftaucht.
00:02:59: Und dann gibt es auch andere Menschen, die erlebe ich auch.
00:03:01: Die sich in so einem total überbetriebsamen Optimismus flüchten oder... Konflikte eher über Tünchen und sich über dieses eigene Handeln weiterhin lebendig fühlen.
00:03:14: Und das ist, glaube ich auch so ein Teil der vielleicht mal angeschaut werden muss wie verhält sich das eigentlich auf der Zeitachse?
00:03:21: Weil in Abgrenzung zur Resilienz ist es durchpowern eine lineare Funktion.
00:03:28: also da geht's eigentlich immer um höher weiter schneller mehr.
00:03:31: Das ist immer ne Anspannung.
00:03:33: Und diese Art von Anspannung, die arbeitet auch mit Verengung.
00:03:36: Also das merkst du daran dass du ein großes Druck empfinden hast, dass dein Fokus vielleicht ein bisschen enger wird... ...das im Innenen sich auch die Dinge so'n bisschen vereng oder härter machen und das zeigt sich natürlich dann später als eine Art kognitive Steifheit.
00:03:53: oder dass du vielleicht in Beziehungen ne kürzere Lunte hast, daß du schlechter schläfst,... ...dass du vielleicht weniger Lernfähigkeit hast.
00:04:02: Und alles in allem bist du natürlich noch produktiv und leistest Output, aber du verlierst mehr und mehr Spielraum.
00:04:10: Das ist das was Resilienz im Gegenzug auszeichnet, dass es ein dynamischer Anpassungsprozess ist.
00:04:15: Also das ist nicht so linear immer auf ganz bestimmte Ziele und Ergebnisse ausgerichtet sondern das bedeutet dass du unter Druck oder bei Widerigkeiten trotzdem so reguliert bleibst, das dein Denken fühlen und handeln weiter in dir kooperieren kann.
00:04:35: Was so viel bedeutet wie, dass du auch noch in belastenden Meetings zum Beispiel eine handlungsfähige Strategie findest.
00:04:42: um in Ruhe zu antworten also Resilienz schützt quasi das was dich langfristig trägt in deiner Führungsrolle nämlich die Fähigkeit Beziehungen sind zu erleben und sind zu geben, sich selbst wirksam wahrzunehmen.
00:04:59: Und auch natürlich deine körperlichen Ressourcen!
00:05:03: Deshalb ist es so dass verschiedene Fachquellenresilienz als gelingende Anpassung an schwierige Erfahrungen definieren verbunden aber auch damit das du innerhalb der Belastung trotzdem noch eine mentale oder eine emotionale oder verhaltensbezogene Flexibilität hast.
00:05:23: Und ich finde, das kennen wir doch alle dieses OK Ich muss das System mal ein bisschen hochfahren weil ich irgendwie eine stressige Situation bewältigen muss und dann wenn ich irgendwie Samstagmorgen aufwache und einmal gut geschlafen habe Dann geht es mir irgendwie wieder ok.
00:05:37: Dann widme ich mich meiner Lebensgestaltung außerhalb des Jobs und führe irgendwie bedeutungsvolle Beziehungen.
00:05:44: oder auf der anderen Seite, wenn ich unter Druck eben nicht mehr beweglich bleibe und das ist ein Hinweis für vielleicht nichts so Produktives Durchpowern.
00:05:54: Dann bezahle ich Kosten in anderen Lebensbereichen.
00:05:58: also ich bin dann vielleicht Samstagmorgen nicht mehr voll wiederhergestellt sondern brauche irgendwie das ganze Wochenende weil ich so gereizt war dass sich einfach viel länger mich erholen muss bis ich wieder klar werde.
00:06:13: Und so wird sich das auf Dauer immer weiter verschieben, weil bei anhaltendem Stress und bei diesem anhaltenden Anspannungsmechanismus dass so ist, wenn der dauerhaft überlastet ist.
00:06:28: Dann wirkt sich das natürlich auch im Nervenhormon- und Immunsystem aus.
00:06:31: also du hast dann vielleicht die eine oder andere Grippe, die du vorher nicht bekommen hast.
00:06:38: Du fühlst dich vielleicht ein bisschen verstimmter auch emotional oder manche merken es auch durch zum Beispiel Bluthochdruck oder andere Herzkreislaufprobleme.
00:06:48: Und bei Resilienz ist es so, dass diese Regulation sehr viel schneller funktioniert.
00:06:54: So das Stress quasi eine kurzfristige Welle ist aber eben nicht ein Dauerpegel der dein Nervensystem vollkommen durcheinander bringt.
00:07:04: Also bei Resiens würde man sagen die setzt eben früher Grenzen weil sie innerlich der Erlaubnis folgt, pflegen kann.
00:07:15: Und jetzt natürlich die Frage, woran merkst du das jetzt im Alltag?
00:07:18: Ob es Resilienz ist oder ob du auf dem Durchhaltefahrt unterwegs bist.
00:07:23: Da geht's vor allen Dingen an die Wahlmöglichkeiten und da gehts vor allem darum dass du vielleicht in einem Meeting merkst hey!
00:07:31: Du hast noch die Möglichkeit adequat zu reagieren oder dir fallen noch unterschiedliche Ideen ein.
00:07:37: Du kannst dir Zeit nehmen, du kannst auch mal Nein sagen ohne Schuldgefühle zu haben und ohne jetzt zu hart und harsch dieses Nein zu formulieren.
00:07:46: Du kannst immer noch gut delegieren, du kannst gut in den Austausch treten und du bist eben dann zum Beispiel am Wochenende oder in anderen Lebensbereichen immer noch so präsent wie du es dir wünscht Und beim Durchpowern ist das eben so, dass diese Belastung eine Form von Verschleiß mit sich bringt die dir das eben genannte dann nicht mehr so gut ermöglicht.
00:08:11: Eine Sache finde ich noch super spannend weil sich Regulation auch sozial auswirkt Und das bedeutet, dass Nervensysteme sich auch synchronisieren.
00:08:20: Also wenn du jetzt zum Beispiel als Führungskraft eben im Zentrum der Entscheidung stehst und sehr hektisch wirst dann überträgt sich das auf das Team.
00:08:28: Und je gelassener du bist, je mehr Fragen und Pausen du vielleicht zulässt desto produktiver wird natürlich auch das Team und desto relaxter auch.
00:08:37: Jetzt stellen wir uns mal vor hatte ich nämlich neulich eine Kundin, wer das passiert ist.
00:08:42: da hat eine Schlüsselposition gekündigt Und das ganze Team war super aufgeregt, weil es eine ganz angespannte Phase war die auf eine bestimmte Deadline zuging.
00:08:53: Und dann wurde meiner Kundin eben gesagt, dass diese Personen jetzt kündigt und das alle irgendwie hell in Aufregung sind.
00:09:01: Sie war selbst auch total im Stress und ist halt in dieser Situation sehr hektisch geworden hat gesagt oh nein!
00:09:09: Das ist ja furchtbar, was uns passiert und wie sollen wir das jetzt hinkriegen?
00:09:13: Schrecklich kann man die nicht noch überzeugen.
00:09:16: so hatte sie quasi ihre eigene Nervosität in den Raum gebracht und das entzieht natürlich dem gegenüber das Vertrauen.
00:09:24: Und wenn jetzt in der gleichen Situation sie vielleicht ein bisschen klarer, langsamer oder fragender geblieben wäre und erst mal so einen Rahmen gesetzt hätte, der vielleicht auch Vertrauen geschenkt hätte oder eine eigene Sicherheit ausgestrahlt hätte dann ist sozusagen das Signal auch ins Team ein ganz anderes.
00:09:45: Und jetzt natürlich die Frage, was machst du jetzt mit dieser Information?
00:09:49: Wenn du Führungskraft bist oder wenn du jemanden kennst für denen das interessant sein könnte.
00:09:54: Ich glaube es gibt so ein paar Maßnahmen, die man wirklich in jedem Führungsalltag integrieren kann nämlich einmal wirklich so einen neunzig Sekunden Reset von einem schwierigen Termin also echt körperlich einmal ankommen ausatmen und das Nervensystem beruhigen vielleicht die Augen mal zu schließen bei sich selbst wirklich anzukommen sich gewahrt zu werden in etwas für eine Situation man sich gerade befindet, generell ist glaube ich diese Gewohnheit Pausen zu machen.
00:10:20: Sowohl in Gesprächen also nicht sofort zu antworten als auch in Meetings als auch wirklich für deinen Kalender eine ganz wichtige Fähigkeit und das könntest du ja mal schauen mit einem Kalendercheck, was eigentlich die Kosten deiner Anpassung sind.
00:10:35: Also vielleicht kannst du abends mal überlegen wann hast Du heute Ja gesagt obwohl dein System eigentlich Nein meinte?
00:10:41: Und was kostet Dich das auch?
00:10:43: also an Energie oder an Selbstachtung manchmal sogar Oder eben an Beziehungsfähigkeit und dann kannst du das für dich mal reflektieren so dass vielleicht am nächsten Tag du das anders machen kannst.
00:10:58: Ich finde da auch immer spannend und das habe ich mit dieser Führungskraft auch gemacht, bestimmte Belastungskriterien für sich selbst persönlich zu definieren um dann rechtzeitig stopp zu sagen.
00:11:09: Also zum Beispiel so was wenn ich zynisch werde setze ich innerhalb von vierundzwanzig Stunden eine Grenze oder bei manchen ist das physisch vielleicht vorerst zu merken und dann sowas so sagen wie wenn ich drei Nächte schlecht schlafe, dann weiß nicht verschiebe ich einen Termin oder dann verschieb ich eine Entscheidung die mir zu viel Energie raubt.
00:11:32: Also worum es geht ist eben sich zu überlegen die eigene Resilienzfähigkeit operativ irgendwie greifbarer zu machen in den Alltag zu integrieren.
00:11:41: deshalb kannst du dich ja vielleicht mal fragen welches Jahr hatte diese Woche innerlich ein Nein dabei?
00:11:48: Oder auch wo nennst du vielleicht Funktionsfähigkeit, Resilienz?
00:11:52: Obwohl wenn du ganz ehrlich bist dein System längst auf Reserve läuft.
00:11:59: Also die Nadel schon im roten Bereich ist und du nach außen aber trotzdem noch hochfunktionsfähig bist.
00:12:06: Und meistens kannst du das an Frühwarnsignalen feststellen oder auch an so kleinen Übersteuerungen wie zum Beispiel, dass dein Ton schärfer wird oder dein Tempo schneller.
00:12:16: Oder mehr Kontrolle sich irgendwie gut anfühlt oder auf einmal die Meetingdichte zu hoch wird.
00:12:24: Also man könnte sagen Resilienz ist die Fähigkeit, dass du Belastungen oder Krisen- oder auch mal anhaltenden Druck so verarbeiten kannst das du nicht nur handlungsfähig bist sondern dass du dich erstens schnell wieder erholen kannst und zweitens in deiner Handlungsfähigkeit auch noch eine gewisse Flexibilität und Offenheit hast.